Chronik 50 Jahre Vereinsleben (1951 - 2001)

Der Handharmonika-Club Ehningen feiert im Jahre 2001 einen runden Geburtstag, ein halbes Jahrhundert Wirken für die Musik, - für die Harmonikamusik - und Arbeit für und mit der Jugend. Das 50jährige Jubiläum ist uns Veranlassung, in Dankbarkeit auf die Erfüllung des generationsverbindenden Auftrages in all den Jahren zurückzublicken. Mit einem vielseitigen Veranstaltungsreigen wollen wir unser Jubiläumsjahr feiern. Das schon Erreichte und Erlebte in der festen Gemeinschaft und das Zusammenwirken im Verein ist Vorbild und Ansporn für die Zukunft.

Mit den nachfolgenden Ausführungen wird der "Rückblick auf 40 Jahre Vereinsleben", aus dem Jahre 1991 fortgeschrieben.

Die Harmonika-Musik hat in Ehningen eine lange Tradition: Vor der eigentlichen Vereinsgründung wurde bereits das Spielen auf der Harmonika intensiv betrieben.

Für die Handharmonikamusik in Ehningen sind als Wegbereiter insbesondere Herr Georg Häcker und Herr Helmut Schmidt zu erwähnen. Sie spielten bereits Anfang der 30er Jahre zusammen mit anderen Musikbegeisterten und traten aufgrund ihres Könnens u.a. 1938 im Rundfunk auf. Viele Ehninger lernten bei den beiden das Musizieren auf der Harmonika. Die hoffnungsvolle Entwicklung wurde durch den Zweiten Weltkrieg und die Zeit des Wiederaufbaus unterbrochen.

Die Harmonika-Szene begann sich allenthalben neu zu beleben. Der einmal begonnene Prozess war nicht mehr aufzuhalten. Es scharten sich erneut junge Leute um die erfahrenen Spieler, kauften sich Handharmonikas und lernten eifrig das Harmonikaspielen. Die Gemeinschaft der jungen Musiker erweiterte sich immer mehr; gespielt wurde in der Küche von Familie Helmut Schmidt. So war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Gleichgesinnten zu einem Interessenverband zusammenfanden. Ein kleiner Kreis von sechs Harmonikaspielern beschloss im Frühjahr 1951 einen Verein in Ehningen zu gründen.

Am 1. Juni 1951 wurde dann der Handharmonika-Club Ehningen gegründet und gleichzeitig die Aufnahme des neugegründeten Vereins in den Bund der Handharmonikafreunde in Trossingen (heute: Deutscher Harmonika-Verband (DHV)) vereinbart. Bei der 1. Generalversammlung am 15. Juli 1951 im Gasthaus "Rößle" wurde die Gründung bestätigt.

Ziel des Vereins war - und ist auch heute - die Pflege, Ausbreitung, Förderung und Vervollkommnung der Harmonikamusik nicht nur als Hausmusik, sondern auch das orchestrale Zusammenspiel innerhalb des gesellschaftlichen Vereinslebens und der kulturellen Gemeinschaft. Zum 1. Vorsitzenden wurde Wilhelm Schmidt gewählt. Als erster Dirigent und Musiklehrer des Vereins wurde Helmut Schmidt bestellt.

Mit Begeisterung wurde das Vorhaben angegangen. Der Spielerkreis bildete im Gründungsjahr 1951 die Zelle, zu dem sehr schnell interessierte Jugendliche hinzukamen, um sich in die Kunst des Harmonikaspielens einweisen zu lassen. Durch die gute Vorarbeit sowie das Engagement der "Neuen" bei der Schulung konnte der junge Verein bereits im Gründungsjahr am 18. November 1951 im "Kronensaal" in Ehningen sein 1. Konzert mit 34 Spielern abhalten. Der gelungene Auftritt des Vereins in der Öffentlichkeit bewirkte eine weitere Zunahme an Mitgliedern; damit konnte der Handharmonika-Club Ehningen (HHC) am Jahresende 1951 schon 43 Aktive (Orchestermitglieder und Nachwuchs) und 31 passive Mitglieder verzeichnen. Noch heute sind (von den "Mitgründern") aus dem Gründungsjahr 1951: Gerhard Bengel, Otto Bengel, Fritz Benzinger, Hedi Benzinger, Alfred Keller, Gerhard Kuppinger, Helmut Mast, Paul Nonnenmann, Albert Reichert, Eberhard Sattler, Herbert Schmidt, Else Schubert und Richard Sigler - als Mitglieder zu nennen und zum Teil aktiv im Verein tätig.

Eine Vielzahl von Aufgaben wurden in den Anfangsjahren dem jungen Ehninger Verein gestellt. In dieser und der gesamten zurückliegenden Zeit bis heute wären viele Personen zu nennen, die sich engagierten und um den Verein verdient machten. Hierbei sind Vorstände, Vereinsleitung und Dirigenten hervorzuheben, die den Verein in der aufstrebenden Gemeinde weiterführten und ausbauten. Eine beständige Fortentwicklung konnte der Handharmonika-Club unter den Vorsitzenden Richard Hiller, Erwin Meyer, Gerhard Kuppinger, Ewald Kuppinger und seit 1997 Brigitte Joppke sowie der musikalischen Leitung der Dirigenten Fritz Dollenmaier (siehe Bild 1) und Alfred Schatz erfahren. Bei Dirigent und Musiklehrer Alfred Schatz war es insbesondere ein weiteres Orchester mit Gitarrespielern, das eine Bereicherung des Vereins und interessante Komponente bei öffentlichen Auftritten darstellte. Viel zu früh, mitten aus aktiver Schaffensperiode, verstarb am 19. August 1972 Alfred Schatz und hinterließ eine schmerzliche Lücke. Die Töchter Gaby und Gitta Schatz waren bereit, das schwere Erbe anzutreten und die musikalische Ausbildung und Leitung weiterzuführen. Im Jahre 1973 übernahm Günther Stoll die musikalische Leitung des Vereins.

Ende 1980 wurde der Verein von dem unerwarteten Rücktritt des Dirigenten Günther Stoll überrascht. Das Dirigentenproblem konnte jedoch sehr schnell durch die Verpflichtung von Tobias Deuringer gelöst werden. Der regelmäßige Übungsbetrieb mit den ca. 40 aktiven Spielern wurde durch den neuen Dirigenten und Musiklehrer wieder aufgenommen. Neue Konzeptionen der musikalischen Arrangements mit zielgerichtetem Einfühlungsvermögen gaben wesentliche Impulse für einen erheblichen Aufwärtstrend. Übrigens: Mit unserem Dirigenten und Musiklehrer Tobias Deuringer feiern wir in diesem Jahr sein 20jähriges Arbeitsjubiläum im Verein!


Bild 1.  Gruppenbild des HHC mit Dirigent Fritz Dollenmaier (ca. 1955)

Als Übungsraum dienten zunächst unterschiedliche Lokalitäten. Seit Mitte der 60er Jahre konnten der Unterricht für Spieler und Gruppen und die Orchesterproben in einem von der Gemeinde in dankenswerter Weise kostenlos zur Verfügung gestellten Raum in der Fronäcker-Schule durchgeführt werden. Im Frühjahr 1988 konnte der Verein seinen Raum in der Fronäcker-Schule erneut beziehen, nachdem das im Innern grundlegend renovierte Schulhaus offiziell von der Gemeinde den Vereinen und Organisationen übergeben wurde. Hierbei sind erhebliche Eigenleistungen der Vereinsmitglieder anzumerken.

Die jährlichen Konzerte des Handharmonika-Clubs Ehningen sowie die Mitwirkung an auswärtigen Veranstaltungen wurden zu festen Bestandteilen im Vereinsleben. Namhafte Künstler und Ensembles sowie die örtlichen Vereine wirkten dabei vielfach mit. Als Beispiele seien hier angeführt das Konzert im März 1954 mit dem Tübinger Akkordeon-Quintett und dem Harmonikaverein Holzgerlingen, Konzert im Dezember 1961 anlässlich des 10jährigen Bestehens, Konzert zum 20jährigen Jubiläum am 15. Mai 1971 im Foyer der neuerbauten Friedrich-Kammerer-Schule (siehe Bild 2) mit dem virtuosen Solisten Joe Sakimoto, Vizeweltmeister 1971 auf der Mundharmonika.


Bild 2.  1. Orchester des HHC mit Dirigent Alfred Schatz

Die Fertigstellung der Turn- und Festhalle im Jahre 1972 ergab neue Möglichkeiten für das kulturelle Leben in Ehningen und die Voraussetzungen für viele erfolgreiche Konzerte und Veranstaltungen in größerem Rahmen. Zu dem Konzert und Ballabend im Oktober 1977 engagierte der HHC "Mister Akkordeon" Hubert Deuringer mit seinem Sextett vom Südwestfunk Baden-Baden. Bei dem Konzert im Oktober 1978 war dann Gerhard Wehner und seine Solisten vom Süddeutschen Rundfunk in Ehningen zu Gast. Im Festprogramm zum 30jährigen Bestehen des HHC am 10. Oktober 1981 traten das Mundharmonika-Orchester und -Quintett Knittlingen auf.

Das Jubiläumsjahr 1991: "40 Jahre Handharmonika-Club Ehningen" zeigte mit insgesamt 39 Veranstaltungen eine Vielzahl und Vielfalt an Aktivitäten, - nicht nur im musikalischen Bereich - sondern wiederum erfreulicherweise auch im gesellschaftlichen und kameradschaftlichen Rahmen. Mit den fünf zur Verfügung stehenden Formationen erfüllten die Musiker die unterschiedlichsten Aufgabenstellungen, u.a. waren dies:

  • Das Kirchenkonzert im Frühjahr (am 20. April 1991) mit ausschließlich konzertanter Musik, überwiegend Mozart.
  • Der Festabend am 1. Juni 1991.
  • Herausragender Höhepunkt der Jubiläumsabend (am 19. Oktober 1991) unter dem Motto "Die kennen Sie alle - Evergreens der vergangenen 40 Jahre" unter Mitwirkung des weltbekannten Orchesters "Hohnerklang" (siehe Bild 3) mit Yasuo Watani, dem mehrfachen Mundharmonika-Weltmeister.


Bild 3.  Das Orchester "Hohnerklang" bei der 40 Jahr-Feier des HHC

Der Handharmonika-Club beteiligte sich ebenfalls an musikalischen Wettbewerben in verschiedenen Orten und konnte mit guten Leistungen beachtenswerte Erfolge auf regionaler bzw. Verbandsebene erreichen. Bei der erstmaligen Teilnahme an einer derartigen Veranstaltung: bei dem Harmonika-Wettbewerb um den Kreiswanderpokal in Sindelfingen am 15. November 1953 errang das 1. Orchester den 3. Preis. An den Bezirkstreffen des Bezirks Würm-Nagold im DHV und den Wertungsspielen nahm das 1. Orchester erstmals am 16. Juni 1957 in Ostelsheim teil; seit dem Jahre 1967 waren Orchester des HHC über einen längeren Zeitraum regelmäßig bei diesen Wettbewerben beteiligt. Bei dem 14. Bezirkstreffen im Oktober 1968 in Stuttgart - Weil im Dorf erspielte sich das 1. Orchester in der Leistungsklasse Oberstufe die Note "Ausgezeichnet" verbunden mit dem Bezirkspokal. Bei den Wertungsspielen anlässlich des 39. Bezirkstreffens im November 1993 in Hildrizhausen waren sowohl das Jugendorchester als auch das 1. Orchester unter der Leitung von Tobias Deuringer mit der Note "sehr gut" erfolgreich. Einen beachtlichen Erfolg erzielte das 1. Orchester unter Leitung des Dirigenten Tobias Deuringer bei dem größten Harmonika-Treffen der Welt: "4. Internationales Akkordeon- und Mundharmonika-Festival" vom 30. April bis 3. Mai 1992 in Innsbruck; fast 10.000 Musiker, mehr als 300 Akkordeon- und Mundharmonika-Orchester und Spielgruppen aus 16 Ländern waren bei den zweitägigen Wertungsspielen im Wettbewerb.

Der HHC Ehningen übernahm für den Bezirk Würm-Nagold im DHV u.a. die Durchführung

  • Jugend-Musikwettbewerb für Solisten "Jugend musiziert" 1969 in der Friedrich-Kammerer-Schule
  • 8. Jugend-Musikwettbewerb für Solisten und Duos 1988 in der Friedrich-Kammerer-Schule
  • D-Lehrgang, 1. Teil mit 60 Teilnehmern im Februar 1993 in der Fronäcker-Schule
  • D-Lehrgang, 2. Teil im März 1993 in der Fronäcker-Schule und
  • Akkordeon-Jugendwettbewerb am 9. März 1997 in der Friedrich-Kammerer-Schule
sowie die Ausrichtung des
  • 21. Bezirkstreffens 1975
  • 27. Bezirkstreffens 1981 und
  • 36. Bezirkstreffens 1990 ,
jeweils in der Turn- und Festhalle in Ehningen.

Bei der 16. Jahreshauptversammlung des HHC am 5. Februar 1966 wurde beschlossen, eine Vereinsfahne anzuschaffen. Ein Markstein im Vereinsleben war dann die Fahnenweihe, die in feierlichem Festakt am 2. Juli 1966 im "Adlersaal" in Ehningen vollzogen wurde (siehe Bild 4).

Die Satzung des Vereins wurde 1984/85 an das neue Vereinsrecht angepasst. In das Vereinsregister des Amtsgerichts Böblingen wurde der Handharmonika-Club Ehningen e.V. am 8. März 1985 eingetragen.


Bild 4.  Fahnenweihe des HHC

Anzuführen sind außerdem die jährlichen Ehninger Faschingstage (institutionalisiert seit 1973), die einstmals vom HHC mit dem 1. Ehninger Kinderfasching im Jahr 1969 im "Kronensaal" begonnen wurden sowie insbesondere der traditionelle Familiennachmittag im Dezember jeden Jahres. In gemütlicher Runde der Handharmonikafamilie wird der Jahresabschluss begangen, wobei Eltern und Angehörige einen Einblick in die Vereinsarbeit und den musikalischen Fortschritt des Nachwuchses erhalten und Ehrungen auf dem Programm stehen.

Neben den erwähnten Konzerten, Unterhaltungsveranstaltungen und Wettbewerben wurden verdienten und aktiven Mitgliedern bei bestimmten Anlässen Ständchen dargebracht, bei Hochzeiten von Aktiven die Trauung in der Kirche musikalisch umrahmt, ggf. zu der Hochzeitsfeier aufgespielt und des weiteren die Veranstaltungen der örtlichen Vereine, Organisationen und Firmen sowie der Gemeinde Ehningen durch Mitwirkung oder musikalische Umrahmung unterstützt. So konnte z.B. das 1. Orchester des HHC dem Liederkranz Ehningen e.V., dem ältesten Verein Ehningens, im Rahmen des großen Jubiläumsabends "125 Jahre Liederkranz Ehningen" am 16. März 1991 musikalische Glückwünsche überbringen.


Bild 5.  Festwagen des HHC zum Heimatfest Ehningen 1959

Bereits zum dritten Mal luden die musiktreibenden Vereine in Ehningen, der Liederkranz Ehningen, der Musikverein Ehningen und der Handharmonika-Club Ehningen, zu der Veranstaltung "Weihnachtliche Klänge auf dem Marktplatz" in der Vorweihnachtszeit 2000 (Samstag, 23. Dezember 2000) ein, um zusammen die Bevölkerung musikalisch auf die Feiertage einzustimmen.

Besondere Ereignisse des letzten Jahrzehntes in der Gemeinde Ehningen waren das Marktplatzfest im Juni 1991, sowie das S-Bahn-Fest am 26. und 27. September 1992, bei dem sowohl die musikalische Umrahmung und Unterhaltung durch diverse Auftritte der Orchester des HHC gestaltet wurde als auch viele Helferinnen und Helfer in Absprache mit dem TSV Ehningen/Abt. Fußball über das gesamte Wochenende im Einsatz waren. Des weiteren wurde zum Jahreswechsel 1999/2000 in der reizvollen Kulisse des Steinbruches der Fa. Baresel das Ehninger Großereignis des Jahrhunderts "Willkommen 2000!" gefeiert.

Darüber hinaus beteiligte sich der Verein bei den Festzügen anlässlich von Kinderfesten, Heimatfesten und selbstverständlich auch im Rahmen der 800-Jahr-Feier Ehningens im September 1985. Viel Zeit und Opferbereitschaft wurde von den Mitgliedern aufgebracht, um den jeweiligen Festwagen entsprechend herzurichten und zu schmücken (siehe Bild 5). Auch bei regionalen und überregionalen Veranstaltungen, wie der Landesgartenschau 1990 in Sindelfingen, der Landesgartenschau 1996 in Böblingen und dem "R.TV-GemeindeStadl" im März 1996 präsentierten diverse Orchester des HHC ein bunt gemischtes Programm zur Unterhaltung.

Über die Grenzen hinweg wurden bereits in den 70er Jahren freundschaftliche Beziehungen aufgenommen. Die Verständigung auf kultureller Ebene wurde immer wieder erneuert, ständig erweitert, gepflegt und zwischenmenschliche Kontakte mit Freunden gefestigt. Für alle Harmonikafreunde, die dabei waren, sind diese Treffen bleibendes Erlebnis. Die erste Begegnung zwischen dem Akkordeon-Spielring Simmental-Saanenland und dem Handharmonika-Club Ehningen fand am 28. und 29. Oktober 1972 statt. Im Rahmen des 1. Patenschaftstreffens war der Unterhaltungsabend in der neuen Turn- und Festhalle in Ehningen ein großes Ereignis. Der Abend in der ausverkauften Halle wurde von dem Akkordeon-Spielring, dem Jodler-Club Rinderberg und dem 1. Orchester des HHC gestaltet, wobei Gaby Schatz ihr erfolgreiches Debüt als Dirigentin des HHC-Orchesters gab.

Auf Einladung des Patenvereins wurde im Oktober 1974 ein Gegenbesuch in der Schweiz abgestattet. Die freundschaftlichen Bande zwischen den Schweizer Freunden und der HHC-Familie wurden in weiteren gegenseitigen Besuchen erneut bestätigt: Patenschaftstreffen mit dem Akkordeon-Spielring Simmental-Saanenland und dem Jodler-Club Gsteig im Mai 1976 in Ehningen zum 25jährigen Jubiläum des HHC Ehningen und im Oktober 1980 in Gsteig im Berner Oberland/Schweiz.

Im Rahmen der 800-Jahr-Feier Ehningen kam das Freundschaftstreffen mit dem Jodler-Club "Jurarösli", Liesberg vom 19. bis 20. Oktober 1985 in Ehningen zustande, wobei ein Unterhaltungsabend mit Volksmusik und Schweizer Folklore in der Turn- und Festhalle sowie die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes in der katholischen Kirche St. Elisabeth zu einem besonderen Erlebnis wurden. Der HHC Ehningen machte im August 1987 einen Gegenbesuch in Liesberg in der Schweiz, um u.a. einen folkloristischen Unterhaltungsabend gemeinsam zu gestalten.

Das Freundschaftstreffen mit dem Jodler-Club Gsteig, Schweiz am 21. und 22. Oktober 1989 in Ehningen war in Verbindung mit einem volkstümlichen Unterhaltungsabend unter dem Motto "Musik und Gesang" einer der kulturellen und musikalischen Höhepunkte des Jahres 1989 (siehe Bild 6).


Bild 6.  Freundschaftstreffen 1989 mit dem Jodler-Club Gsteig/Schweiz

Die grenzenübergreifenden Kontakte und Aktivitäten wurden zwischenzeitlich erfolgreich durch Konzertreisen des HHC mit Teilnahme an international ausgeschriebenen Veranstaltungen weitergeführt, und zwar:

  • Konzertreise zum "Internationalen Musik- und Folklore-Festival" in Calella/Spanien vom 21. bis 29. Oktober 1994.
  • Konzertreise zum "Internationalen Musik-Festival" in Loano/Italien (Riviera) vom 25. Oktober bis 2. November 1996
  • Konzertreise nach Gabicce Mare/Italien (Adria) vom 24. bis 31. Oktober 1998 und
  • Konzertreise nach Spiez am Thunersee/Schweiz vom 29. September bis 3. Oktober 2000

Die musikalischen Verpflichtungen wurden zum Teil mit einem aus allen Orchestern zusammengestellten "Reiseorchester" absolviert. Die Musiker und der begleitende Fan-Club erlebten jeweils ein interessantes Programm, auch außerhalb der musikalischen Aktivitäten (siehe Bild 7).


Bild 7.  Konzertreise 1998 des HHC: Spieler und Fan-Club

In den Anfangsjahren des Vereins verfügte der HHC Ehningen über eine stattliche Anzahl von diatonischen Handharmonikas, die im Laufe der Zeit von der chromatischen Handharmonika (dem Akkordeon) abgelöst wurde. Im Vorfeld des 30jährigen Bestehens des Vereins formierten sich im Januar 1981 die Musiker, die seit ca. 15 bis 20 Jahren nicht mehr zusammen gespielt hatten, zu einem Neubeginn. Die "Diatoniker" traten erstmals öffentlich bei dem Festabend zum 30jährigen Jubiläum am 10. Oktober 1981 auf.

Durch den Erfolg der Diatoniker ermutigt, kamen die "ehemaligen" Akkordeon-Spieler überein, ebenfalls wieder gemeinsam zu musizieren. September 1984 wurde die Akkordeon-Spielgruppe mit 9 Mitgliedern gegründet. Unter der musikalischen Leitung der Vizedirigentin Gabriele Zimmermann (geb. Röhm) entwickelte sich die Zahl der Mitspieler beachtlich, wurde ab 1987 als 2. Orchester des HHC geführt und firmiert seit Ende 1992 als "Hobby-Orchester". Im Jahre 1993 übernahm Uwe Preuschhoff das vollständige Dirigat des Hobby-Orchesters, das er bereits seit 1991 vertretungsweise ausübte.

Das erste Auftreten einer Combo (8 Musiker aus dem 1. Orchester) bei dem Familiennachmittag im Dezember 1989 war als erfolgversprechender Anfang einer neuen Sparte musikalischer Möglichkeiten beim HHC zu verzeichnen.

Während allgemein zu Beginn der Harmonika-Bewegung das Musizieren auf der Handharmonika auf Walzer, Märsche, Ländler und Volksmusik begrenzt war, ist heute ein breites Spektrum in der Musik der Handharmonika vorhanden. Das Repertoire der vier Orchester des Handharmonika-Club Ehningen:

  • Jugendorchester
  • 1. Orchester
  • Hobby-Orchester
  • Diatoniker

umfasst - jeweils mit eigenständigem Profil - neben der eingangs erwähnten Musik ebenfalls gehobene Unterhaltungsmusik und konzertante, klassische Literatur. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, je nach Situation die unterschiedlichen Aufgabenstellungen sehr gut zu erfüllen. Die Erfolge bei regionalen und internationalen Wettbewerben und die gute Resonanz bei eigenen Veranstaltungen sind zugleich Auftrag für die Zukunft.


Bild 8.  Die Aktiven des Vereins: Orchester, Nachwuchs und Vereinsleitung (Aufnahme Juni 1990)

Bei den Aktiven - inzwischen auf über 100 Mitglieder angewachsen - sind langjährige Spieler mit großer Erfahrung, talentierte junge Spieler und eine große Zahl an hoffnungsvollem Nachwuchs zu verzeichnen (siehe Bild 8). Besonders unter der musikalischen Leitung des Dirigenten und Musiklehrers Tobias Deuringer, der als 20jähriger im Jahre 1981 seine Tätigkeit beim Verein aufnahm, wurden die Ausbildung und das Spielerpotential zielgerichtet ausgebaut. Durch die Zunahme an Nachwuchsspielern, den damit verbundenen Verpflichtungen und zunehmenden Orchesterauftritten wurde bereits 1982 Gabriele Zimmermann zur Vizedirigentin bestellt, die 1993 von Uwe Preuschhoff abgelöst wurde. Heute wird außer in der eigentlichen Domaine des HHC - dem Akkordeon - ebenfalls das Spielen auf dem Einsteiger-Instrument Melodika unterrichtet. Im letzten Jahr wurden auf Nachfrage auch Anfängerkurse für Erwachsene eingesetzt. Die kontinuierliche musikalische Entwicklung ist bestens gerichtet, nachdem zusätzlich zu dem Dirigenten und Musiklehrer Tobias Deuringer der Vizedirigent Uwe Preuschhoff, Sonja Benzinger und Brigitte Joppke bei der Ausbildung mitwirken.

Der HHC setzt wichtige Akzente in der Jugendarbeit. Die Interessen des Akkordeonnachwuchses werden durch die eigene Jugendvertretung wahrgenommen, die zu der musikpädagogischen Ausbildung eine aktive Betreuung mit diversen Aktionen sicherstellt (weitere Informationen siehe separater Bericht der Jugendleitung).

Einen hohen Stellenwert nahmen im HHC Ehningen von Anbeginn die kameradschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte ein. In der Vereinschronik wird z.B. der erste Ausflug des Handharmonika-Clubs am 23. Oktober 1955 nach Zavelstein und Bad Liebenzell vermerkt. Die Jahresausflüge mit dem Omnibus auch zu weiter entfernt liegenden Zielen unserer Heimat sind inzwischen zu einer ständigen Einrichtung geworden. Andere Aktivitäten wie Radwanderungen, Ski-Freizeiten - im Jahre 2001 zum 15. mal durchgeführt, organisiert von Wolfgang Hofele -, Wander-Freizeiten, Orchester-Freizeiten, Kameradschaftsabende, um nur einige zu nennen, wurden immer wieder gerne angenommen.

Bei der Handharmonikafamilie und den Freunden des Vereins ist ebenfalls die mehrtägige Harmonika-Hocketse im Innenhof der Friedrich-Kammerer-Schule beliebt, die bisher achtmal (1986, 1988, 1990, 1991, 1993, 1995, 1997 und 1999) in den Sommermonaten stattfand, - davon sechsmal als Tage der Harmonika in Verbindung mit einem Harmonika-Oldtimer- und Hobby-Orchester-Treffen unter reger Beteiligung von Gastorchestern: im Juni 1986, August 1988, Juni 1991, Juni 1993, Juni 1995 und Juli 1997.

Viele interessante Begebenheiten und Ereignisse des Vereinslebens der vergangenen 50 Jahre konnten im Rahmen dieser Festschrift nicht angesprochen werden. Erwähnenswert ist jedoch in jedem Falle die Zunahme an Vereinstätigkeiten auch in jüngerer Zeit. Waren es im Jahre 1984 "nur" 23 Veranstaltungen und besondere Ereignisse mit öffentlichem Charakter, stieg diese Zahl im Jahre 1992 auf 42. Durch behutsames Heranführen junger Kräfte an die Aufgaben wurde inzwischen der Generationswechsel an der Vereinsspitze erneut vollzogen. In der Rückblende ist die bisherige Entwicklung und das erreichte Niveau als sehr erfreulich zu bezeichnen.

Der Erfolg konnte nur in Gemeinschaftsarbeit und im Zusammenhalt des Vereins erreicht werden. Ebenfalls ist in diesem Zusammenhang die qualifizierte Unterstützung der Gemeinde sowie die Verbundenheit mit den örtlichen Vereinen und den Vereinen in den umliegenden Orten anzuführen. Der Handharmonika-Club Ehningen ist vor allem im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Gemeinde engagiert und leistet einen beachtenswerten Beitrag in der Jugendbetreuung und der Freizeitgestaltung.

Der Dank geht an Alle, die durch Ihre Zusammenarbeit und Mithilfe, ideellen und finanziellen Zuwendungen zu dem beachtlichen Stand beitrugen.

Für die Zukunft ist es Herausforderung und gleichzeitig Verpflichtung, das Erreichte nicht nur zu bewahren, sondern vielmehr im Sinne der Zielsetzung der Gründung fortzuführen und vorwärts zu bringen, wobei als gewichtiger Faktor auch die Harmonie im Verein zu berücksichtigen ist. Hiermit ist die Hoffnung verbunden, dass weiterhin noch Viele ihre Zuneigung zur Handharmonika bekunden.

 

Ehningen, im Mai 2001

Walter Schefzik